In den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 kam es im Berliner Stadtteil Lichterfelde zu einem schweren Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal. Dabei wurden Hoch- und Mittelspannungskabel erheblich beschädigt. Die unmittelbaren Folgen sind gravierend: Rund 45000 Haushalte sowie mehr als 2000 Unternehmen im Südwesten Berlins waren zeitweise ohne Strom, Heizung und Internet. Der Ausfall traf die Region unter tiefwinterlichen Bedingungen, was die Situation zusätzlich verschärfte. Kurz nach dem Anschlag tauchte ein Bekennerschreiben einer linksradikalen Gruppe mit dem Namen „Vulkangruppe“ auf.
Die Reparaturarbeiten gestalteten sich aufwendig und dauerten mehrere Tage an. Erst am 7. Januar 2026 konnte die Stromversorgung schrittweise wiederhergestellt werden. Aufgrund der Dimension des Schadens übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Nach bisherigem Stand gehen die Behörden von einem politisch motivierten, linksextremistischen Anschlag aus.
Stand: 07.01.2026
Erstes Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ sorgt für Aufmerksamkeit
Bereits einen Tag nach dem Anschlag, am 4. Januar 2026, taucht im Internet ein Schreiben auf. Darin bekennt sich eine Gruppierung mit dem Namen „Vulkangruppe“ zu der Tat. Die Verfasser:innen bezeichnen sich selbst als linksextremistisch beziehungsweise anarchistisch motiviert und rechtfertigen den Brandanschlag als Protest gegen fossile Energieversorgung. In dem Text stellen sie die Sabotage als „Akt der Selbstverteidigung“ im Namen von Umwelt und Gesellschaft dar.
Ermittler:innen des Berliner Staatsschutzes stufen dieses erste Schreiben zunächst als grundsätzlich glaubwürdig ein, betonen jedoch, dass die endgültige Bewertung Teil der laufenden Ermittlungen ist. Politisch löst der Anschlag deutliche Reaktionen aus. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner spricht von einer terroristischen Gefährdung von Menschenleben.
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Zweites Schreiben weist Russland-Spekulationen zurück
Am 6. Januar 2026 erschien ein weiteres Schreiben, das erneut unter dem Namen „Vulkangruppe“ veröffentlicht wird. Darin lehnen sich die Autorinnen und Autoren ausdrücklich gegen die Spekulationen ab, der Anschlag könne Teil eines ausländischen oder russischen Einflusses sein. Entsprechende Vermutungen bezeichnen sie als „False-Flag“-Behauptungen und weisen eine Beteiligung fremder Akteure zurück.
Ob dieses zweite Schreiben tatsächlich vom selben Urheberkreis wie das erste stammt, bleibt offen. Sicherheitsbehörden äußern sich zurückhaltend und verweisen auf laufende Prüfungen zur Authentizität.
Vulkangruppe distanziert sich von Vulkangruppe: Drittes Schreiben bringt neue Verwirrung
Für zusätzliche Irritation sorgt nun ein drittes Schreiben, das am 7. Januar 2026 veröffentlicht wurde. Darin meldete sich eine angebliche „ursprüngliche Vulkangruppe“ zu Wort, die sich ausdrücklich von dem Brandanschlag sowie von den beiden vorherigen Bekennerschreiben distanzierte. Die Autoren erklärten, die jüngsten Aktionen stünden im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Zielen.
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Nach Darstellung dieses Schreibens richten sich frühere Aktionen unter dem Namen „Vulkangruppe“ nicht gegen zivile Infrastruktur, sondern gegen militärische Ziele wie die Bundeswehr oder Waffenexporte. Ob es sich dabei um tatsächliche frühere Mitglieder, um Abspaltungen oder um Trittbrettfahrer:innen handelt, bleibt unklar. Auch dieses Schreiben prüfen die Ermittler weiterhin auf seine Echtheit.
Doch wer ist die „Vulkangruppe“ überhaupt?
Der Name „Vulkangruppe“ taucht seit 2011 immer wieder im Zusammenhang mit Sabotageakten auf, unter anderem gegen Bahnstrecken, Energieinfrastruktur und Industrieanlagen. Der Verfassungsschutz ordnet die Gruppierung dem linksextremistischen beziehungsweise anarchistischen Spektrum zu. Eine feste organisatorische Struktur lässt sich bislang jedoch nicht nachweisen.
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es sich weniger um eine klar definierte Organisation handelt, sondern um wechselnde Zusammenschlüsse, die denselben Namen nutzen. Genau das erschwert die Bewertung der aktuellen Bekennerschreiben erheblich.
Titelbildcredits: KI generiert
