Mit Land der Sünde legt Netflix eine weitere schwedische Produktion im beliebten Scandinavian-Noir-Gewand vor. Düster, kalt, sozial zerrüttet. Alles ist da, was Fans des Genres erwarten. Die Serie erzählt von einer Polizistin, deren Bruder in einen undurchsichtigen Todesfall verwickelt ist. Drogen, Armut, Gewalt und ein Milieu, das kaum Hoffnung zulässt, bilden den erzählerischen Hintergrund. Stilistisch und ästhetisch ist das souverän umgesetzt. Doch reicht das heute noch?
Skandinavischer Noir in Reinform: Milieu, Klasse und Verfall
Die Netflix-Serie Land der Sünde spielt in einem skandinavischen „Hillbilly“-Setting: strukturelle Armut, Drogenhandel, Perspektivlosigkeit. Die Serie streift dabei durchaus einen Klassenaspekt, der in skandinavischen Krimis immer wieder aufscheint und auch überall sonst ein großes Thema ist: Das bröckelnde Versprechen des Sozialstaats, das Auseinanderdriften von Zentrum und Peripherie. Dieses Milieu ist glaubwürdig gezeichnet, roh und unangenehm, aber letztlich auch zu sehr vertraut. Doch nicht aus der wirklichen Welt, sondern vertraut vor allem aus anderen Serien-Produktionen. Man hat das alles schon oft gesehen, nur in leicht anderen Variationen.
Land der Sünde: Die Ermittlerin – stark, erschöpft, vorhersehbar
Im Zentrum steht dabei eine Ermittlerin, die perfekt in die Traditionslinie seit der Erfolgsserie Die Brücke passt: stark, kompromisslos, emotional angeschlagen. Sie trifft Entscheidungen aus dem Bauch heraus, eckt bei Kolleg:innen an, handelt eigenmächtig und vermischt Dienstliches mit Privatem – wobei der letzte Punkt bei Saga aus Die Brücke eben nicht der Fall war, aber egal.
Der innere Konflikt der Ermittlerin aus der Netflix-Serie Land der Sünde ist dabei eben die Verstrickung ihres Bruders. Dieser Aspekt gibt der Figur zwar Tiefe, bleibt aber dramaturgisch doch recht erwartbar. Ihre Erschöpfung, ihre Wut, ihre Grenzüberschreitungen sind natürlich nachvollziehbar, aber niemals wirklich neu gedacht.
Netflix Serie mit Spannung, aber ohne echte Überraschung
Die Serie Land der Sünde versteht es zwar durchaus, Spannung zu erzeugen. Man bleibt dran, wird irritiert, manchmal auch emotional gepackt. Doch genau hier liegt das Problem: Nach kurzer Zeit stellt sich eine schmerzhafte Gewohnheit ein.
Wer das Genre kennt, erkennt die Muster dabei sofort. Wendungen, Figurenkonstellationen und Konflikte folgen bekannten Pfaden. Land der Sünde erzählt daher keine alte Geschichte neu, sie erzählt die alte Geschichte einfach noch einmal.
Netflix-Serie Land der Sünde: fehlende Vision
Auf einer tieferen Ebene bleibt die Serie leider erstaunlich blass. Kein Thema wird wirklich neu verhandelt, kein Motiv radikal zugespitzt. Es werden keine neuen Horizonte geöffnet, keine Perspektiven verschoben.
Alles ist korrekt, sauber, professionell. Aber eben auch visionslos. Genau hier zeigt sich ein generelles Netflix-Problem: viel Inhalt, viel Produktion, aber wenig Mut zur wirklichen Erneuerung. Dabei muss man das Rad nicht unbedingt neu erfinden, aber zumindest das alt Bekannte und Vertraute auf einer höheren Eben vielleicht anders verhandeln.
Land der Sünde: Ansehbare Netflix-Serie, aber austauschbar
Die Netflix-Serie Land der Sünde ist durchaus eine solide, gut gemachte Serie, die Fans skandinavischer Krimis problemlos abholen wird. Sie unterhält, sie irritiert in der richtigen Dosis, sie funktioniert. Doch sie bleibt im Bekannten stecken wie in einem Sumpf. Keine Figur überrascht dabei wirklich (fehlendes Schauspielerisches Talent?!), kein Gedanke bleibt lange hängen. Was fehlt, ist ganz einfach der Horizont, die neue Vision, die das Genre weiterträgt.
Klar, man kann diese Serie natürlich sehen. Man wird nicht enttäuscht sein. Aber man wird auch nichts entdecken, das man nicht schon kennt.
Bilder Mattias Rudh © 2024 Netflix, Inc.
