Wir alle nutzen in der einen oder anderen Form bestimmte Cloudsysteme. Doch diese Plattformen gehören dabei nur einer Handvoll Unternehmen, die extrem gut an uns verdienen und dafür sehr wenig Steuern zahlen. Ein Überblick.
Wem gehört die Cloud?
Amazon Web Services behauptet auch im dritten Quartal 2025 seine Führungsposition im globalen Cloud-Geschäft. Mit einem geschätzten Marktanteil von knapp 29 Prozent liegt AWS weiterhin deutlich vor der Konkurrenz. Microsofts Azure folgt mit rund 20 Prozent, während Google Cloud etwa 13 Prozent erreicht. Damit kontrollieren die drei größten Anbieter gemeinsam mehr als 60 Prozent des rasant wachsenden Marktes. Während sich die übrigen Anbieter mit geringen, meist einstelligen Anteilen begnügen müssen.
Wie auf statista.de zu lesen ist, ist der weltweite Umsatz mit Cloud-Infrastruktur-Diensten ist im Zeitraum von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf 107 Milliarden US-Dollar gestiegen. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr deutet dies auf ein Volumen von deutlich über 400 Milliarden US-Dollar hin.

Big Player mit small Steuerbeiträgen
Während Amazon, Microsoft und Google also den globalen Cloud-Markt unter sich aufteilen und mit rasant wachsenden Umsätzen neue digitale Infrastrukturen kontrollieren, leisten sie gleichzeitig einen erstaunlich geringen Beitrag zu den öffentlichen Kassen.
Diese Diskrepanz zwischen ökonomischer Macht und steuerlicher Verantwortung ist dabei kein Zufall, sondern das Ergebnis eines hochentwickelten Systems aus juristischen Schlupflöchern, internationalen Konstruktionen und politischer Blockade. Die digitale Ökonomie dieser Unternehmen ist dabei global, die Steuersysteme jedoch national – und genau in dieser Lücke operieren die großen Tech-Konzerne äußerst erfolgreich.
Was bedeutet das genau?
Seit Jahren zeigen Studien und NGOs, dass Konzerne wie Amazon, Apple, Google, Meta, Microsoft oder Netflix Milliarden an Steuern vermeiden, obwohl sie in fast allen Ländern der Welt enorme Umsätze erzielen. Über Tochterfirmen, Lizenzmodelle und interne Verrechnungspreise werden Gewinne jedoch systematisch in Niedrigsteuerländer verschoben.
Auf dem Papier entstehen die Profite dann nicht dort, wo sie jedoch faktisch erwirtschaftet werden, sondern dort, wo die Steuerlast minimal ist. Die Folge: Staaten verlieren dringend benötigte Einnahmen für Bildung, Infrastruktur, Gesundheit und Klimaschutz, während die Digitalkonzerne ihre Marktmacht weiter ausbauen.
Beispiel Amazon
Besonders brisant ist der Fall Amazon. Der Konzern profitiert nicht nur von staatlicher Infrastruktur, Arbeitskräften und öffentlichen Förderungen. Dieser nutzt zugleich ein komplexes Geflecht aus Steuergutschriften, Ausnahmeregelungen und rechtlichen Konstruktionen, um seine Steuerlast massiv zu senken.
In den USA etwa werden Forschungsausgaben, Aktienvergütungen an Manager oder Investitionen in neue Standorte steuerlich geltend gemacht. Oft mit dem Ergebnis, dass der Konzern trotz Milliardengewinnen kaum oder gar keine Unternehmenssteuern zahlt. Was offiziell als Innovationsförderung gedacht war, wird so zum Instrument der systematischen Steuervermeidung.
Umsatzsteuern im Onlinehandel
Hinzu kommt ein weiterer zentraler Punkt: die Frage der Umsatzsteuer im Onlinehandel. Jahrzehntelang profitierten E-Commerce-Konzerne von einem rechtlichen Graubereich, der es ihnen erlaubte, keine oder nur eingeschränkt Umsatzsteuern zu erheben. Auch nach gesetzlichen Anpassungen bleibt ein Großteil der Umsätze, vor allem über Drittanbieter auf Plattformen wie Amazon, steuerlich schwer greifbar.
Der Konzern fungiert hier als Marktplatzbetreiber, profitiert von jeder Transaktion, übernimmt jedoch kaum Verantwortung für die steuerliche Abführung. Das Ergebnis ist ein System, in dem Gewinne privatisiert, während die gesellschaftlichen Kosten externalisiert werden.
Digitalsteuer
Diese steuerpolitische Schieflage wird zusätzlich dadurch verschärft, dass Versuche, internationale Digitalsteuern oder Mindeststeuersätze einzuführen, regelmäßig am Widerstand mächtiger Staaten scheitern, allen voran der USA. Initiativen der EU oder der OECD, Tech-Konzerne stärker in die Pflicht zu nehmen, werden blockiert, verzögert oder verwässert. Damit wird deutlich: Es geht nicht nur um technische Fragen des Steuerrechts, sondern um handfeste geopolitische Interessen und den Schutz nationaler Unternehmen.
In der Konsequenz entsteht ein paradoxes Bild: Jene Unternehmen, die die digitale Infrastruktur der Zukunft kontrollieren, Datenströme lenken, Arbeitsmärkte verändern und ganze Branchen umkrempeln, entziehen sich weitgehend der solidarischen Finanzierung der Gesellschaften, in denen sie operieren. Die Cloud-Giganten werden so nicht nur zu ökonomischen, sondern auch zu politischen Akteuren, mit enormem Einfluss, aber minimaler demokratischer Rückbindung.
Die digitale Welt: ein big Business für wenige
Klar, die Gewinne von Microsoft und Co sind beeindruckend. Doch lässt das Feiern dieser Ausschüttung eine grundlegende Frage außer Acht. Wem die digitale Welt eigentlich gehört und wer für ihre sozialen, ökologischen und ökonomischen Folgen Verantwortung trägt.
Solange die größten Profiteure der Globalisierung kaum zum Gemeinwohl beitragen, wird die viel beschworene „digitale Zukunft“ und der darin vermutete „Traum der Freiheit“ vor allem eines bleiben: ein Geschäft für wenige, finanziert von vielen.
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