Die Sylvester Stallone Autobiographie The Steps – hoffentlich nur die erste Stufe

Sylvester Stallone ist mittlerweile 80 Jahre alt und hat seine Autobiografie geschrieben. War zu erwarten, klar. Doch The Steps – Die Geschichte meines Lebens ist allerdings keine klassische Lebensrückschau. Und genau das macht das Buch so erfrischend.

The Steps from Zero: Der unsichtbare Sylvester Stallone

Stallone schildert ein Leben, das beinahe an Charles Bukowski erinnert – nur ohne dessen Alkohol und dem ganze Sex. Stallone wechselt dabei eben wie das Bukowski Alter-Ego ständig die Jobs, hält sich irgendwie über Wasser, arbeitet im Delikatessengeschäft, als Security-Mann und in allerlei anderen Beschäftigungen – unter anderem als Platzanweiser im Kino, wo er auch sehr viele Filme gesehen hat (was er als eine gute Schule bezeichnet). Er lebt zurückgezogen, hat kaum Freunde und verfolgt gleichzeitig obsessiv sein eigentliches Ziel: Schauspieler zu werden und Drehbücher zu schreiben.

Das Faszinierende ist dabei auch seine Perspektive von unten. Stallone begegnet bereits bekannten oder später berühmt werdenden Hollywood-Größen, aber zunächst immer als Außenseiter. Er sieht Dustin Hoffman zufällig in einem Buchladen, begegnet Francis Ford Coppola im Kino – doch niemand nimmt ihn wirklich wahr. Klar, er ist schließlich noch ein Nobody. Er ist unsichtbar. Und gerade diese Unsichtbarkeit beschreibt Stallone sehr eindringlich.

Sylvester Stallone: Rocky als Lebenswerk

Natürlich nimmt Rocky einen zentralen Platz im Buch ein. Und hier wird deutlich, wie sehr Stallone selbst in dieser Figur steckt. Er war dabei nicht einfach der Schauspieler, der Rocky Balboa spielte. Er kämpfte um praktisch jedes Detail des Films und war entscheidend daran beteiligt, dass aus dem Stoff überhaupt jener Film wurde, den wir heute kennen. Der Film hätte unter anderen Bedingungen leicht völlig anders – und sehr viel schlechter – werden können.

Rocky und Stallone sind dabei auf faszinierende Weise miteinander verbunden. Der Boxer ist in gewissen Sinne „nur“ eine verfremdete Version des Schauspielers: der Außenseiter, den niemand ernst nimmt, der trotzdem weitermacht und irgendwann seine Chance bekommt, die er auch zu nutzen weiß.

Sylvester Stallone The Steps Autobiographie

Auch Quentin Tarantino hat über Rocky geschrieben und darauf hingewiesen, wie sehr der Film Rocky sich damals eben von dem eher düsteren, pessimistischen Kino seiner Zeit unterschied. Während das damalige Autorenkino häufig von Antihelden und negativen Enden geprägt war, brachte Rocky plötzlich wieder etwas Positives ins Kino: Hoffnung, Aufstieg und eine Form von Happy End. Was vor allem beim Publikum großen Anklang gefunden hat. Und genau das ist auch Stallones eigene Geschichte.

The Steps: Ein Buch, das nach mehr verlangt

Literarisch ist The Steps natürlich keine große Literatur. Aber das muss eine Autobiografie auch nicht sein. Stallone ist aber dennoch ein hervorragender Geschichtenerzähler. Er weiß, wie man eine Geschichte aufbaut, Spannung erzeugt und den Leser dazu bringt, unbedingt wissen zu wollen, wie es weitergeht. So dass sein Werk auch von uns in nur zwei Tagen verschlungen wurde. Und genau hier liegt vielleicht das größte Problem dieses Buches: Es endet zu früh 😉

Die Autobiografie endet mit der Oscar-Verleihung 1977 – also genau dort, wo Stallones eigentliche Weltkarriere beginnt. Danach kommen Rocky II, die weiteren Rocky-Filme, Rambo und all die anderen Stationen seiner Karriere. Als Lesender möchte da natürlich sofort die nächste „Stufe“ in Stallones Leben erlesen.

Und deshalb bleibt am Ende vor allem ein großer Wunsch: Hoffentlich ist The Steps tatsächlich nur die erste Stufe einer längeren Autobiografie. Denn Stallone hat offensichtlich noch sehr viel zu erzählen. Für Stallone-Fans ist das Buch ohnehin ein Muss. Für Filminteressierte ist es darüber hinaus aber auch eine ausgesprochen spannende Lektüre über das Entstehen eines Hollywood-Klassikers, über den damaligen Zeitgeist – und über den langen Weg eines Mannes, der jahrelang unsichtbar war, bevor plötzlich die ganze Welt seinen Namen kannte.

Eine andere Kultfigur des Actionkinos ist auch Arnold Schwarzenegger. Wir haben uns seine Netflix-Doku Arnold angesehen!


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