The Outrun – Wenn Literatur und Film miteinander denken

The Outrun

Es gibt Filme, die zeigen, dass Film und Literatur nicht nur hervorragend zusammenpassen, sondern eigentlich viel öfter gemeinsam gedacht werden sollten. The Outrun von Regisseurin Nora Fingscheidt mit Saoirse Ronan in der Hauptrolle ist ein solches spannendes Ausnahmewerk. Der Film macht deutlich, welche Möglichkeiten entstehen können, wenn filmische und literarische Erzählweisen nicht einfach nacheinander, sondern miteinander entwickelt werden. Nur auf MUBI!

The Outrun: Wenn zwei Künstlerinnen miteinander arbeiten

Das Drehbuch zu The Outrun wurde gemeinsam von Nora Fingscheidt und der schottischen Autorin Amy Liptrot geschrieben. Liptrot verarbeitet darin offenbar auch eigene Erfahrungen mit Alkoholismus. Gerade diese Verbindung funktioniert dabei bemerkenswert gut.

Auf der einen Seite steht die visuelle Erzählkraft von Nora Fingscheidt, die viele bereits seit ihrem Film Systemsprenger kennen dürften. Auf der anderen Seite steht Amy Liptrots literarische Sprachgewalt. Diese beiden künstlerischen Zugänge ergänzen sich nicht nur, sie harmonieren geradezu perfekt.

The Outrun ist deshalb weit mehr als ein Film, der eine literarische Vorlage einfach auf die Leinwand überträgt. Literatur und Film scheinen hier tatsächlich miteinander zu denken bzw. gedacht worden zu sein. Aber nicht nur gedacht sondern auch realisiert.

Fingscheidt und Liptrot: Bild und Sprache

Visuell ist der Film wunderschön gemacht. Es gibt atemberaubende Szenen und ein ungewöhnlich spannendes Spiel mit Licht und Schatten. Besonders die nächtlichen Szenen entwickeln dabei eine ganz eigene ästhetische Qualität.

Noch faszinierender ist allerdings die Verbindung von Bild und Sprache. Die visuellen Möglichkeiten des Films treffen dabei auf die literarische Kraft von Amy Liptrots autobiographischen Texten. Aus dieser Verbindung entsteht eine poetische Qualität, die The Outrun zu einem wirklichen Ausnahmefilm macht.

Man denkt dabei unweigerlich an Regisseure wie Jean-Luc Godard, der ebenfalls ein ausgesprochen literarischer Filmemacher war und in seinen Filmen immer wieder mit bemerkenswerten literarischen Passagen gearbeitet hat. The Outrun zeigt nun auf eine andere Weise, wie fruchtbar diese Verbindung sein kann.

The Outrun: Eine nicht chronologische Erzählung

Hinzu kommt die nicht chronologische Erzählweise des Films. Die Geschichte wird nicht einfach linear abgearbeitet, sondern setzt sich aus unterschiedlichen zeitlichen Ebenen zusammen. Gerade dadurch entsteht eine Erzählform, die sehr gut zu diesem Film passt.

Vielleicht wird eine solche Form des Erzählens nach The Odyssey nun auch wieder stärker salonfähig. Interessant ist dabei jedoch, dass The Outrun bereits etwa zwei Jahre zuvor gedreht wurde und diese Erzählweise somit keineswegs erst durch The Odyssey entstanden bzw. „abgekupfert“ worden ist.

The Outrun: Ein Plädoyer für mehr Zusammenarbeit

Was The Outrun letztlich so interessant macht, ist die Verbindung all dieser Elemente: die visuelle und ästhetische Kraft Nora Fingscheidts, die literarische Sprachgewalt Amy Liptrots, das Spiel mit Licht und Schatten, die nicht chronologische Erzählstruktur, aber natürlich auch Saoirse Ronans hervorragendes Spiel.

Der Film ist damit auch ein kleines Plädoyer dafür, Film und Literatur viel häufiger gemeinsam zu denken. Es gibt dabei erstaunlich wenige direkte Kooperationen zwischen Regisseurinnen und Regisseuren auf der einen und Literatinnen und Literaten auf der anderen Seite. The Outrun zeigt, was Großartiges genau aus so einer Zusammenarbeit entstehen kann. Ein wunderschöner, poetischer und außergewöhnlicher Film, der eindrucksvoll vorführt, wie hervorragend sich Literatur und Film ergänzen können. Aber wir wiederholen uns.

Anderes Thema, selbe Kategorie: Eine Serie, die wir euch empfehlen möchten ist East of Eden auf Netflix mit Florence Pugh in einer der Hauptrollen.


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