Below auf Netflix: Josh Hartnett, ein Seeungeheuer und die Rückkehr des Happy Ends

Below Netflix Josh Hartnett

Die Netflix-Serie Below mit Josh Hartnett erzählt eine Geschichte, die wir eigentlich schon kennen: Ein kleines Küstendorf wird von einem Monster aus der Tiefe bedroht, die Wissenschaft wird ignoriert und die Bewohner*innen müssen sich gegen eine Gefahr behaupten, die sie zunächst nicht wahrhaben wollen. Wirklich neu ist das alles nicht. Sehenswert ist diese Netflix-Serie trotzdem. Denn hinter dem vertrauten Monsterfilm-Szenario verbergen sich gesellschaftskritische Untertöne – und eine überraschend altmodische Idee: die Hoffnung auf ein Happy End.

Netflix-Serie Below: Eine moderne Wiederholung von Der weiße Hai

Man kann Below auf zwei Arten lesen. Zunächst einmal ist die Serie eine Wiederholung von Steven Spielbergs Der weiße Hai – nur dass diesmal nicht der Weiße Hai die Menschen bedroht, sondern ein anderes Seeungeheuer aus den Tiefen des Meeres. Man darf gespannt sein 🙂

Die Parallelen sind dabei einfach unübersehbar. Wir haben es mit einem kleinen Küstenort zu tun, in dem jeder jeden kennt und das Leben einen ausgesprochen dörflichen Charakter hat. Als eine Wissenschaftlerin vor einem Monster aus der Tiefe warnt, will man ihr zunächst nicht glauben. Schließlich versammeln sich die Vertreter*innen des Ortes in einer Art Town Hall, um darüber zu diskutieren, wie man mit der Bedrohung umgehen soll.

Das alles kennen wir bereits aus Der weiße Hai und unzähligen anderen Monsterfilmen. Die Ausgangssituation ist also keineswegs neu. Auch die Familienkonflikte, die Beziehungen und die familiäre Wiedervereinigung mit einem entfremdeten Vater gehören zu jenen vertrauten Erzählmustern, die man in solchen Serien immer wieder findet.

Und trotzdem funktioniert Below. Die Serie ist leicht zugänglich, unterhaltsam und mit ihren sieben Folgen angenehm zu sehen. Sie macht aus ihrem vertrauten Material etwas, das zwar nicht unbedingt überrascht, aber durchaus Spaß macht.

Josh Hartnett in Below: Ein Underdog gegen alle Widerstände

Einen wesentlichen Anteil daran hat Josh Hartnett, der hier eine überzeugende Leistung abliefert. Hartnett ist ein Schauspieler, der phasenweise aus dem Blickfeld der großen Öffentlichkeit verschwunden schien und nun wieder stärker in Erscheinung tritt. In Below passt er hervorragend in die Rolle des kleinen Mannes, der sich gegen eine ganze Reihe von Widrigkeiten behaupten muss und das sogar mit Akzent.

Denn die eigentliche Spannung entsteht nicht nur durch das Monster aus der Tiefe. Sie entsteht auch durch die Menschen, ihre Beziehungen und die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben.

Dabei ist es gerade die Mischung aus vertrauten Elementen und kleineren Wendungen, die die Serie interessant macht. Man weiß ungefähr, welche Art von Geschichte erzählt wird, und trotzdem bleibt man dran. Die Netflix-SerieBelow ist nicht langweilig, die Inszenierung funktioniert, und die Bedrohung aus dem Meer wird wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Doch die Serie hat noch eine zweite Ebene, die über das Monsterfilm-Szenario hinausgeht.

Below als Gesellschaftskritik: Wenn die Reichen alles kontrollieren

Im weiteren Verlauf dieser sehenswerten Netflix-Serie werden dabei gesellschaftskritische Aspekte immer deutlicher. Es geht um die Macht der Reichen, um Menschen, die sich durch ihr Vermögen Einfluss kaufen und schließlich nicht nur über wirtschaftliche Ressourcen, sondern auch über Wissenschaft und staatliche Entscheidungen bestimmen wollen.

Darin steckt eine durchaus interessante Parabel auf unsere Gegenwart. Man kann dabei auch an Donald Trump denken: an die Vorstellung, dass jemand allein aufgrund seines Reichtums glaubt, alles kontrollieren zu können – von wissenschaftlichen Erkenntnissen bis hin zu staatlichen Institutionen.

Below Netflix Josh Hartnett

Die gewöhnlichen Menschen bleiben in dieser Konstellation zunächst machtlos. Sie müssen sich gegen eine Bedrohung behaupten, die nicht allein von einem Monster ausgeht, sondern vor allem auch von gesellschaftlichen Strukturen, in denen Macht und Geld über die Köpfe anderer hinweg entscheiden.

Und hier wird die Serie interessanter, als es ihre vertraute Ausgangssituation zunächst vermuten lässt. Denn der Kampf gegen das Monster wird zugleich zu einem Kampf gegen jene Verhältnisse, die den Menschen ihre Selbstbestimmung nehmen, wobei das Monster selbst auch nur aufgrund von menschlichem Fehlverhalten so weit an die Oberfläche hervordringen konnte.

Von Below zu Rocky: Warum wir wieder Happy Ends brauchen

Der vielleicht spannendste Aspekt von Below ist allerdings, dass die Serie an etwas festhält, das im gegenwärtigen Kino und Fernsehen manchmal beinahe aus der Mode gekommen zu sein scheint: am Happy End.

Natürlich kann man das unrealistisch finden. Da behauptet sich ein vermeintlich kleiner Mann gegen übermächtige Gegner, gegen gesellschaftliche Widerstände und gegen ein System, das eigentlich alles zu seinen Ungunsten eingerichtet hat. Dass er sich am Ende durchsetzt, erscheint beinahe wie ein Wunschtraum. Aber ist das wirklich ein Fehler?

In seiner spannenden Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte hat Quentin Tarantino darauf hingewiesen, dass der Film Rocky von Sylvester Stallone in den 1970ern gerade deshalb zu einem so großen Erfolg wurde, weil der Film in einer Zeit, in der das New Hollywood häufig von düsteren Geschichten, Antihelden und pessimistischen Enden geprägt war, plötzlich wieder etwas Positives erzählte. Rocky Balboa, der Underdog, tritt gegen einen übermächtigen Gegner an. Er gewinnt nicht unbedingt im klassischen Sinn, aber er behauptet sich und erringt einen persönlichen Sieg. Der Film bot dem Publikum etwas, das über die realistische Darstellung einer ungerechten Welt hinausging: die Möglichkeit, sich vorzustellen, dass man sich gegen diese Welt überhaupt irgendwie behaupten kann.

By the way: Sylvester Stallone hat eine wirklich lesenswerte Autobiographie geschrieben: Sylvester Stallone: The Steps.

Genau darin liegt auch eine Stärke von Below. Man könnte der Serie vorwerfen, dass sie ihre Konflikte zu versöhnlich auflöst und dass ihr Optimismus angesichts der tatsächlichen Machtverhältnisse naiv wirkt. Aber denselben Vorwurf hätte man auch Rocky machen können. Ein Außenseiter, der sich gegen die etablierte Ordnung durchsetzt, ist schließlich keine besonders realistische Vorstellung. Nur muss eine Geschichte immer realistisch sein, um etwas über die Wirklichkeit erzählen zu können?

Vielleicht liegt gerade in solchen Erzählungen eine Kraft, die wir wieder stärker brauchen. Wenn uns überall Krisen, Katastrophen und dystopische Zukunftsszenarien begegnen, dann kann auch eine Geschichte, die an die Möglichkeit eines guten Ausgangs glaubt, etwas wert sein.

Below auf Netflix: Alte Klischees, neue Hoffnung

Der Philosoph Slavoj Žižek beschäftigt sich immer wieder mal mit der Frage, wie gesellschaftliche Vorstellungen und Erzählmuster funktionieren und warum bestimmte Klischees ihre Wirkung verlieren, während andere bestehen bleiben oder neu entstehen.

Vielleicht müssen wir aber eben nicht, wie er meint, neue Klischees erfinden. Gut möglich, dass wir ab und an vielleicht zu unseren alten Erzählmuster zurückkehren sollten, die uns daran erinnern, dass die Verhältnisse nicht zwangsläufig so bleiben müssen, wie sie sind.

Der kleine Mann, der sich gegen die Mächtigen behauptet. Die Gemeinschaft, die eine Bedrohung überwindet. Der Außenseiter, der nicht aufgibt. Und am Ende die Möglichkeit, dass es doch noch gut ausgeht. Natürlich ist das ein Wunschtraum. Aber vielleicht ist es gerade ein solcher Wunschtraum, der Menschen wieder daran glauben lässt, dass Veränderung möglich ist.

Die Netflix-Serie Below ist deshalb mehr als eine Wiederholung von Der weiße Hai. Sie ist eine unterhaltsame Monster-Geschichte mit gesellschaftskritischen Untertönen und einem sympathischen Glauben an die Möglichkeit des Happy Ends. Sie erfindet das Genre nicht neu, aber sie versteht es, seine vertrauten Elemente wirkungsvoll einzusetzen.

Eine gelungene Netflix-Serie, die nicht nur Monsterfilm-Fans unterhalten dürfte.

Eine andere Serie die wirklich sehenswert ist: East of Eden auf Netflix!


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