Godzilla – Die Kunst, ein Monster zu erschaffen

Godzilla MUBI

MUBI ist bekannt für seine hervorragend kuratierten Filmsammlungen. Seit Kurzem gibt es dort eine Sammlung, die sich dem wohl berühmtesten Monster der Filmgeschichte widmet: Godzilla. Acht japanische Godzilla-Filme sind darin versammelt – vom Original aus dem Jahr 1954 bis zum bislang letzten Film dieser Auswahl aus dem Jahr 2001.

Natürlich sind diese Filme anders als das, was wir heute gewohnt sind. Sie haben eine andere Geschwindigkeit, eine andere Dramaturgie und vor allem eine völlig andere Vorstellung davon, wie man ein Monster auf die Leinwand bringt. Genau deshalb ist diese Sammlung aber so sehenswert. Denn sie ermöglicht ein Stück filmhistorisches Bewusstsein: Wie entsteht eigentlich ein Monster? Und was musste man können, bevor CGI und digitale Effekte praktisch jede denkbare Bildwelt ermöglichten?

Godzilla in Serie oder Die Kunst der Illusion

Godzilla war noch kein digitales Wesen. Die Monster wurden mit aufwendig gebauten Puppen und Modellen inszeniert. Und genau darin liegt eine unglaubliche handwerkliche Leistung aber auch der ganze Charme dieser japanischen Film-Reihe.

Denn natürlich weiß man als Zuschauer*in, dass man es mit einer Puppe zu tun hat. Die eigentliche Kunst besteht jedoch darin, diese Puppe so zu filmen, dass sie plötzlich die Größe eines Hochhauses bekommt. Eine Miniaturstadt muss wie eine echte Stadt wirken, ein kleines Modell wie eine gigantische Metropole – und Godzilla muss darin tatsächlich wie ein riesiges Monster erscheinen.

Das ist nicht einfach ein Spezialeffekt. Es ist Inszenierung auf ihrer höchsten Stufe. Es ist Kameraführung, Schnitt, Perspektive, Licht, Bewegung und vor allem die Fähigkeit, mit begrenzten Mitteln eine glaubwürdige Illusion zu erzeugen. Und genau diese Kunst kann man in den Godzilla-Filmen beobachten. Man sieht nicht nur Godzilla, sondern man sieht den Regisseuren beim Problemlösen zu: Wie kann ich mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, etwas darstellen, das es eigentlich gar nicht gibt?

Godzilla auf MUBI oder was CGI vergessen lässt

Heute scheint vieles davon selbstverständlich. Mit digitaler Bildbearbeitung, CGI und inzwischen auch KI-Technologien lassen sich Welten erschaffen, die früher technisch kaum vorstellbar gewesen wären. Der Blockbuster ist dadurch in vieler Hinsicht zu einem anderen Medium geworden. Gerade deshalb ist es aber interessant, zu diesen alten Godzilla-Filmen zurückzukehren. Sie zeigen, dass technische Begrenzung nicht zwangsläufig bedeutet, dass weniger Fantasie entsteht. Im Gegenteil: Manchmal zwingt gerade die Begrenzung zur Erfindung.

Die Godzilla-Sammlung auf MUBI ist deshalb nicht bloß etwas für eingefleischte Monsterfilm-Fans. Sie ist eine kleine Schule des filmischen Handwerks und eröffnet einen Blick darauf, wie Filmgeschichte auch eine Geschichte der technischen und künstlerischen Problemlösung ist.

Wie ein gut kuratierter Museumsbesuch erweitert auch diese Sammlung den eigenen Horizont. Man sieht vielleicht nicht nur acht alte Monsterfilme – sondern plötzlich, wie Film gemacht wird. Absolut sehenswert.

Du magst genialen Horror: Dann ist die Netflix-Serie Something Bad is Going to happen das richtige für dich.


© MUBI