East of Eden – eine der besten Netflix-Serien des Jahres

East of Eden Netflix Florence Pugh

Was macht eine gute Serie aus? Die Netflix-Serie East of Eden zeigt, dass man das ewige Rad nicht neu erfinden muss, um eine gelungene Geschichte zu erzählen.

East of Eden auf Netflix

First things first: East of Eden ist eine ausgesprochen gelungene Netflix-Serie. Und das zunächst einmal völlig unabhängig von der Romanvorlage von John Steinbeck, die zweifellos zu den Klassikern der Literaturgeschichte gehört. Denn auch als eigenständige Serie funktioniert diese Verfilmung erstaunlich gut.

Was besonders hervorsticht, ist der Facettenreichtum der Figuren. Die Serie konzentriert sich nicht ausschließlich auf ihre vermeintlichen Hauptfiguren, sondern gibt auch den Nebenfiguren eine erstaunliche Tiefe. Selbst Figuren, die in anderen Serien wahrscheinlich nur als Staffage oder als eine Art „Non-Player-Character“ funktionieren würden, bekommen hier eine eigene Geschichte, einen Hintergrund und eine Persönlichkeit, die auch zu fesseln vermag.

East of Eden: Wenn Nebenfiguren plötzlich wichtig werden

Das zeigt sich etwa an der Figur des chinesisch-amerikanischen „Butlers“, der von Adam Trask angestellt wird. Dieser kümmert sich nicht einfach „nur“ um den Haushalt. Er ist zugleich Butler, Koch, Gärtner, Lehrer und erste Bezugsperson für die beiden Söhne (aka Vaterfigur!) – und wird damit zu einer tragenden Figur der Geschichte, die auch selbst damit zu kämpfen hat, dass sie eben in Amerika geboren wurde und auch ganz offiziell amerikanischer Staatsbürger ist, ihr jedoch dennoch von der Bank jedwede Möglichkeit genommen wird, selbst Besitz zu kaufen usw.

Gerade bei diese Figur, Lee, gelingt es der Netflix-Serie East of Eden, auch ethnische und gesellschaftliche Konflikte mitzuerzählen, ohne die Figur jedoch rein darauf zu reduzieren, denn Lee ist darüber hinaus ein extrem intelligenter und gebildeter Zeitgenosse. Als Figur jedoch so gut angelegt, dass er sich sogar eine eigene Serie verdient hätte. Dasselbe gilt auch für viele andere Figuren.

Natürlich muss die Verfilmung gegenüber Steinbecks Roman zwangsläufig Abstriche machen. Einzelne Familien und Konstellationen werden teilweise stärker in den Hintergrund gerückt bzw. auch vernachlässigt. Aber gerade dort, wo die Serie ihre Figuren ausarbeitet, zeigt sie eine bemerkenswerte Genauigkeit.

Netflix und die Last der Generationen

Ein weiteres großes Thema ist der transgenerationale Konflikt. Es ist ein Thema, das gerade beinahe allgegenwärtig ist: die Frage, was Eltern ihren Kindern weitergeben, welche Verletzungen von einer Generation in die nächste wandern und wie sehr wir von den Geschichten unserer Eltern und Großeltern geprägt werden. East of Eden macht jedoch genau daraus eben keine platte Trauma-Erzählung, sondern ihr gelingt es geradezu hervorragend dieses große Thema unterschwellig brodeln zu lassen, so dass es immer präsent ist, aber eben nicht überpräsentiert wird.

Hier geht es um Vater, Großvater und Kinder, um Brüder, Rivalität und familiäre Erwartungen. Die Konflikte werden weitergereicht, verändern dabei aber jedes Mal ihre Form. Gerade dadurch entsteht eine Familiengeschichte, die psychologisch interessant bleibt, ohne ständig erklären zu müssen, warum jemand so ist, wie er ist. Es wird hier dabei genau eines jeder so wichtigen und leider so sehr vergessene Tugenden der Filmkunst ausagiert: Show, don’t tell. Und das können die Schauspieler*innen, alle durch die Bank wunderbar grandios.

East of Eden Florence Pugh Netflix

Das ist vielleicht eine der größten Stärken der Serie: Sie vertraut ihren Figuren bzw. den Darstellenden. Wie auch Florence Pugh in einem Interview erklärt, war es ihr eben möglich, ihre Figur facettenreicher anzulegen, als es in klassischen Produktionen so üblich ist. Was zur Folge hat, dass es sich bei East of Eden auf Netflix um eine neue Perspektive auf einen  klassischen Stoff handelt

East of Eden auf Netflix: Eine Serie die wirklich sehenswert ist

East of Eden ist niemals langatmig. Das liegt auch daran, dass die einzelnen Episoden oft den Fokus auf unterschiedliche Figuren legen, man einem Handlugnsstrang folgt, während man später wieder zu einem anderen zurückgeführt wird. Diese Abwechslung ist wirklich ein erzählerisch nicht zu unterschätzender Vorteil.

Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, ist aber im gegenwärtigen Seriengeschäft alles andere als selbstverständlich. Viele Serien haben einen oder zwei zentrale „Main Characters“, während der Rest der Besetzung hauptsächlich dazu dient, deren Geschichte voranzutreiben. East of Eden macht es anders und überzeugt vor allem damit.

Ganz ehrlich gesagt, hat man so eine Familiensaga ja schon unzählige Male gesehen und die Konflikte der Figuren sind nicht neu, aber dennoch gelingt es East of Eden am ewigen Rad der Geschichte zu drehen und die Umrundungen dabei dennoch anders laufen zu lassen. Eine sehr gelungene Serie.


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