Babler dreht dem Boulevard den Geldhahn zu – und plötzlich will Medienmanager Zeiler SPÖ-Chef werden

Andreas Babler beim SPÖ-Bundesparteitag 2026 während des Machtkampfs mit Gerhard Zeiler

Andreas Babler kürzt Regierungsinserate massiv und legt sich damit mit Österreichs Boulevardmedien an. Krone, Heute und oe24 fahren daraufhin schwere Geschütze gegen den SPÖ-Chef auf. Jetzt will ausgerechnet der internationale Medienmanager Gerhard Zeiler Babler ablösen. Seine Kandidatur verkündet er in der Kronen Zeitung. Und bei der Frage nach Bablers Inseratenpolitik will der jahrzehntelange Medienmanager plötzlich „kein Experte“ sein.

Strengere Regeln für Regierungsinserate

Seit 2024 gelten in Österreich strengere gesetzliche Regeln für Regierungsinserate. Sie sollen insbesondere verhindern, dass öffentliche Gelder für politische Selbstdarstellung verwendet werden.

Doch Andreas Babler geht als Medienminister noch einen Schritt weiter. Die Bundesregierung reduzierte ihre Werbebuchungen im ersten Halbjahr 2025 um rund 80 Prozent. Babler machte gleichzeitig klar, dass er nicht zum „ungeordneten Rausschießen von Inseraten“ zurückkehren wolle. Stattdessen setzt er auf geregelte Medienförderungen und stärkere Qualitätskriterien.

Damit verändert Babler nicht nur die Regeln. Er dreht einen Geldhahn weitgehend zu, aus dem österreichische Medien über Jahre beträchtliche Summen erhalten haben. Für Boulevardmedien trifft das eine Branche, deren klassisches Geschäftsmodell ohnehin zunehmend unter Druck steht.

Als die Inserate verschwinden, eskaliert der Boulevard

… Und dann verändert sich der Ton. Im Oktober 2025 wird die massive Reduktion der Regierungswerbung öffentlich breit diskutiert. Gleichzeitig gerät Babler immer stärker ins Visier der Boulevardmedien.

Wie groß die mediale Aufmerksamkeit war, zeigt eine Auswertung von APA-Comm. Allein im Oktober 2025 wurde Andreas Babler in 312 Beiträgen der 13 untersuchten österreichischen Tageszeitungen namentlich erwähnt. Damit war er der drittpräsenteste Politiker des Landes.

Der Boulevard wird dabei besonders deutlich. oe24 bezeichnet Babler als „Totengräber der Medien“, Heute schreibt über eine „Brutal-Kürzung“ und einen „Babler-Blindflug“. Auch die Kronen Zeitung attackiert den SPÖ-Chef zunehmend.

Also genau jene Medien, für die staatliche Inserate eine Einnahmequelle darstellen, verschärfen ihre Angriffe auf den Politiker, unter dessen Medienpolitik diese Gelder massiv zurückgefahren werden.

Und dann kommt Gerhard Zeiler

Knapp ein Jahr später tritt plötzlich ein Mann auf den Plan, dessen gesamte Karriere eng mit der Medienbranche verbunden ist: Gerhard Zeiler. Zeiler will Andreas Babler als SPÖ-Chef ablösen. Dabei ist der 71-Jährige nicht irgendein Manager. Er gehört zu den international erfolgreichsten österreichischen Medienmanagern.

Zeiler war Generalintendant des ORF, führte RTL Deutschland und später die gesamte RTL Group. Er saß im Vorstand des Medienkonzerns Bertelsmann und wechselte anschließend zu Turner beziehungsweise Warner. Heute ist Zeiler President International von Warner Bros. Discovery.

Er verantwortet damit Geschäfte des Konzerns in mehr als 200 Märkten. 2019 wurde er außerdem zum Chief Revenue Officer von WarnerMedia ernannt. In dieser Funktion war er für das globale Werbe- und Vertriebsgeschäft des Konzerns verantwortlich. Mit anderen Worten: Zeiler kennt nicht nur Medien. Er kennt auch deren Geschäftsmodelle und Werbeerlöse.

Zeiler verkündet seine Kandidatur ausgerechnet in der „Krone“

Auch die Art, wie Zeiler seinen Angriff auf Babler startet, ist bemerkenswert. Am 25. September 2026 erklärt er in der Kronen Zeitung, dass er SPÖ-Chef werden will. „Ich bin der Richtige“, sagt Zeiler der Krone und erklärt sich bereit, Babler abzulösen. Die Kronen Zeitung hatte bereits zuvor ausführlich über Zeiler und mögliche Alternativen zu Babler berichtet.

Damit ergibt sich eine bemerkenswerte Konstellation: Babler legt sich mit dem Boulevard an und kürzt eine für die Branche wichtige Geldquelle. Der Boulevard fährt über Monate massive Angriffe gegen ihn. Und schließlich erklärt ausgerechnet ein internationaler Medienmanager in Österreichs größter Boulevardzeitung, dass er Babler ablösen will.

Ausgerechnet bei Regierungsinseraten ist Zeiler „kein Experte“

Noch interessanter wird die Geschichte, als der STANDARD Zeiler direkt auf diesen Zusammenhang anspricht. Die Zeitung konfrontiert ihn mit dem Verdacht, dass Babler von Boulevardmedien auch deshalb massiv bekämpft werde, weil er Regierungsinserate gekürzt habe und Medienförderungen stärker nach Qualitätskriterien vergeben wolle.

Die logische Frage an Zeiler: Würde er diese Politik wieder rückgängig machen?

Seine Antwort:

Ich bin kein Experte in diesem Bereich.

Er könne die Frage deshalb nicht beantworten. Zeiler sagt lediglich, man müsse alles tun, um in Österreich eine Vielfalt an Medien zu erhalten. Das ist eine bemerkenswerte Antwort.

Denn sie kommt von einem Mann, der jahrzehntelang einige der größten Medienunternehmen Europas und der Welt geführt hat – und der als Chief Revenue Officer eines internationalen Medienkonzerns sogar ausdrücklich für dessen Werbegeschäft verantwortlich war. Eine klare Unterstützung für Bablers Kurs gibt Zeiler jedenfalls nicht.

Ein Medienmanager gegen den Medienminister

Natürlich beweist all das keine geheime Absprache zwischen Zeiler und den österreichischen Boulevardmedien. Für eine solche Behauptung gibt es keine Belege. Die öffentlich sichtbare Interessenkonstellation ist allerdings auch ohne Verschwörung bemerkenswert.

Ein SPÖ-Chef übernimmt das Medienressort und reduziert Regierungsinserate drastisch. Boulevardmedien verlieren damit potenzielle Einnahmen und starten massive Angriffe auf ihn. Monate später tritt einer der bekanntesten österreichischen Medienmanager gegen genau diesen Parteichef an. Seine Kandidatur gibt er ausgerechnet in der Kronen Zeitung bekannt.


Titelbildcredits: Bernhard Holub / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0