Hulk Hogan: Real American – Aufstieg und Zerfall einer amerikanischen Ikone

Mit Hulk Hogan: Real American veröffentlicht Netflix eine Dokumentation, die stilistisch zwar kaum neue Wege geht, aber trotzdem äußerst sehenswert ist – vor allem wegen ihrer zentralen Figur: Hulk Hogan. Denn das eigentliche Ereignis dieser Doku ist nicht ihre Machart, sondern das Leben dieses Mannes.

Hulk Hogan: Real American – klassische Doku über außergewöhnliche Figur

Formal bleibt „Hulk Hogan: Real American“ ein sehr klassisch erzählter Dokumentarfilm. Keine experimentellen Stilmittel, keine großen visuellen Innovationen. Und gerade das macht die Dokumentation interessant: Hier muss nichts künstlich dramatisiert werden, weil das Leben von Hulk Hogan bereits alles mitbringt – Aufstieg, Ruhm, Absturz, Skandale und Wiederauferstehung.

Man spürt allerdings auch, dass dieser Film womöglich nicht vollständig fertiggestellt werden konnte. Während der Dreharbeiten verstarb Hulk Hogan nämlich überraschend. Dadurch fehlen gewisse Lebensabschnitte oder wirken abrupt verkürzt. Besonders auffällig ist etwa das Fehlen einer zehnjährigen Ehephase zwischen seiner ersten Ex-Frau und seiner aktuellen Partnerin. Es entsteht daher der Eindruck, dass Netflix sich entschied, die Dokumentation rasch zu veröffentlichen – wohl auch, um unmittelbar auf seinen Tod zu reagieren.

Wrestling als amerikanischer Mythos

Das wirklich Faszinierende an dieser Doku ist aber vor allem der Einblick in die Welt des Wrestlings. Und genau darin liegt ihre Stärke: Selbst Menschen, die mit Wrestling nie etwas anfangen konnten, werden hier abgeholt und in eine popkulturelle Form eingeladen, die sie wirklich gut kennenlernen dürfen.

Denn Hulk Hogan war weit mehr als nur ein Wrestler. Er war jahrzehntelang die Gallionsfigur des modernen Wrestlings. Die Dokumentation zeigt eindrucksvoll, wie Wrestling in den 1980er Jahren vom Nischenprodukt zum globalen Mainstream wurde – und wie entscheidend Hulk Hogan dafür war. Sein Talent lag nämlich nicht nur im Ring.

Die Macht der Persona Hulk Hogan

Hogan verstand es nämlich wie kaum ein anderer, eine Figur zu verkörpern. Er war charmant, sympathisch, präsent. Er konnte Menschen für sich gewinnen.

Besonders spannend wird die Dokumentation an jenem Punkt, als Anfang der 1990er versucht wurde, Hogan als Gesicht des Wrestlings zu ersetzen. Sein Nachfolger „funktionierte“ jedoch einfach nicht. Ihm fehlte jene Mischung aus Charisma und Unterhaltung, die Hogan zur perfekten Projektionsfigur machte. Und genau hier zeigt sich, dass Wrestling weit mehr mit Inszenierung, Persönlichkeit und Mythos zu tun hat als mit reinem Sport.

Absturz, Skandale und Wiederkehr

Die Doku verschweigt auch die dunklen Kapitel nicht: Steroide, öffentliche Lügen, das berüchtigte Sex-Tape, zahlreiche Skandale – immer wieder geriet Hulk Hogan zu Fall. Doch genauso beeindruckend ist, wie er sich jedes Mal wieder zurückkämpfte.

Die Dokumentation zeichnet diesen Mechanismus hervorragend nach: Wie die öffentliche Figur „Hulk Hogan“ zerstört wird – und sich dann erneut erhebt wie ein Phönix aus der Asche. Vor allem sein Wechsel zwischen Wrestling-Organisationen wird spannend dargestellt. Nachdem er bei einer Liga praktisch ausgeschlossen wurde, tauchte er bei einer anderen wieder auf und schrieb dort das Genre neu um.

Hulk Hogan oder Der Preis des Mythos

Besonders bewegend wird die Dokumentation gegen Ende. Denn dort bricht die Fassade des unzerstörbaren Helden plötzlich auf. Man sieht Hogan bei Ärzten, sieht seinen deformierten Körper, seine beschädigte Wirbelsäule, die Folgen jahrzehntelanger körperlicher Selbstzerstörung.

Und plötzlich entsteht ein erschütternder Kontrast: Da ist die überlebensgroße Persona Hulk Hogan und dahinter dann: ein Mensch, dessen Körper längst zerbrochen ist. Gerade diese Spannung macht die Dokumentation so stark.

„Hulk Hogan: Real American“ ist vielleicht keine stilistisch revolutionäre Dokumentation. Aber sie ist ein faszinierendes Porträt einer Figur, die ein ganzes Genre geprägt hat. Vor allem für Menschen, die mit Wrestling bislang nichts anfangen konnten, eröffnet die Doku einen überraschend spannenden Einblick in diese Welt – und in die Mechanismen von Ruhm, Öffentlichkeit und Selbstinszenierung.

Am Ende bleibt vor allem das Bild eines Mannes, der sein Leben lang eine unverwundbare Figur spielen musste, obwohl hinter dieser Figur längst ein erschöpfter, beschädigter Mensch stand. Und genau darin liegt die Tragik – und die Größe – dieser Dokumentation.


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