Wenn China angreift: Der kommende Konflikt als Denkexperiment

Mit „Wenn China angreift – Ein Szenario“ legt Andreas Fulda ein außergewöhnliches geopolitisches Buch vor. Eines, das sich bewusst von klassischen Analysen der Gegenwart abhebt. Denn während viele Werke versuchen, die aktuelle Weltlage möglichst präzise zu beschreiben, geht Fulda einen anderen Weg: Er entwirft ein mögliches Zukunftsszenario, das jedoch auf der gegenwärtigen Datenlage basiert und gerade deshalb so beunruhigend plausibel wirkt.

Ein Krieg, der noch nicht stattgefunden hat

Der Ausgangspunkt des Buches ist ebenso simpel wie erschreckend. Wir schreiben das Jahr 2027:
Ein chinesischer Kampfjet stürzt nach einem riskanten Manöver im Luftraum über Taiwan ab. Die Führung in Peking reagiert auf diesen (fingierten) Zwischenfall mit einem Angriff auf Taiwan. Die USA greifen (innenpolitisch geschwächt und zu spät) in den Konflikt ein – wenn überhaupt. Doch zu diesem Zeitpunkt ist es bereits geschehen: China hat Taiwan annektiert. Unterstützt wird es dabei von einem geopolitischen Block, zu dem unter anderem Russland, Iran und Nordkorea zählen. Was dann folgt, ist, laut Andreas Fulda, eine globale Eskalation. Das ist natürlich nur ein noch erfundenes Szenario, aber das macht es nicht minder erschreckend.

Wenn China angreift

Wenn China angreift: Die Welt am Kipppunkt

Andreas Fulda zeichnet in „Wenn China angreift – ein Szenario“ die Konsequenzen eben dieses Szenarios mit großer Klarheit. Was passiert darin alles: Die USA und China geraten in einen offenen Machtkampf um die globale Vorherrschaft. Ein Dritter Weltkrieg erscheint nicht mehr ausgeschlossen. Die Weltwirtschaft gerät massiv ins Wanken. Europa, insbesondere Deutschland, wird durch seine wirtschaftlichen Verflechtungen mit China schwer getroffen. Und so weiter. Diese dargestellte Zukunft ist dabei keine ferne Dystopie, sondern wirkt erschreckend nah und vor allem auch realistisch. Wie die chinesische Regierung selbst verraten hat, plant man ja seine Militärausrüstung massiv auszubauen, um bis 2027 die Fähigkeit zu erlangen, einen Krieg um Taiwan zu gewinnen und mit den USA gleichzuziehen.

Andreas Fulda und die Analyse durch Fiktion

Die große Stärke des Buches liegt dabei vor allem in seiner Methode. Fulda schreibt dabei keine klassische Analyse, sondern nutzt eben das (mehr oder minder fiktive) Szenario als Werkzeug der Erkenntnis. Er verbindet aktuelle geopolitische Entwicklungen mit einem erzählerischen Zugriff und macht so sichtbar, wohin bestehende Dynamiken führen könnten.

Dabei greift er auf reale Konflikte und Entwicklungen zurück, etwa den Krieg in der Ukraine oder Spannungen im Nahen Osten und denkt diese konsequent weiter. Das Ergebnis ist ein Text, der weniger spekulativ wirkt als viele vermeintlich nüchterne Analysen.

Fulda argumentiert, dass die chinesische Führung seit Jahren systematisch auf eine mögliche Annexion Taiwans hinarbeitet – was nun ja wirklich keine Neuigkeit ist. Die militärische Aufrüstung, die geopolitische Positionierung und die langfristige Strategie deuten darauf hin, dass ein solcher Schritt nicht nur denkbar, sondern zunehmend wahrscheinlich wird. Das Jahr 2027 erscheint dabei als möglicher Wendepunkt.

Eine überforderte westliche Welt

Gleichzeitig zeichnet das Buch ein Bild eines Westens, der mit sich selbst beschäftigt ist, mit seinen eigenen Krisen und Baustellen, die immer mehr und mehr werden. Die USA und Europa sind dabei in verschiedene Konflikte involviert, politisch fragmentiert und strategisch überdehnt. Währenddessen entwickelt China im Hintergrund seine eigene Agenda. Ruhig, langfristig und entschlossen. Gerade diese Gegenüberstellung macht das Szenario so eindringlich.

Warum dieses Buch wichtig ist

Wenn China angreift“ ist kein Buch, das man liest, um beruhigt zu werden. Im Gegenteil: Es ist ein Warntext. Ein Buch, das zeigt, wie nah eine geopolitische Eskalation bereits sein könnte – und wie unvorbereitet viele westliche Gesellschaften darauf sind.

Dabei geht es weniger darum, die Zukunft exakt vorherzusagen, sondern darum, Denkprozesse anzustoßen, die hoffentlich auch eine dementsprechende Handlung evozieren.

Mit „Wenn China angreift – Ein Szenario“ gelingt Andreas Fulda ein ebenso kluges wie beunruhigendes Werk. Er verbindet Analyse und Fiktion (bzw. Wahrscheinlichkeit) zu einem politischen Gedankenexperiment, das die Gegenwart in ein neues Licht rückt. Gerade weil das Beschriebene noch nicht eingetreten ist, entfaltet es seine größte Wirkung. Aber auch die Möglichkeit, das vermeintlich Eintretende noch zu verhindern. Aber wie?


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