Man sieht so manche skurrile Sachen in der U-Bahn. Da scheint ein Typ im Batman Kostüm relativ uninteressant zu sein. Eine neue Studie konnte jedoch beweisen, dass die Anwesenheit von Batman einen interessanten Nebeneffekt hat: Batman macht uns hilfsbereiter und empathischer (der sogenannte Batman-Effekt). Aber ist es wirklich die Präsenz von Leuten in Kostümen, die uns dazu inspiriert, selbst mehr wie Superheld:innen zu sein?
Bat-Signal in der U-Bahn
Das Experiment wurde in der Mailänder U-Bahn abgehalten, um zu untersuchen, wie freiwillige Hilfsbereitschaft direkt gefördert werden kann. Unter Kontrollbedingungen wurde beobachtet, wie oft einer sichtlich schwangeren Frau beim Einsteigen ein Sitzplatz angeboten wurde (Ergebnis 37 %).

©wikimedia | Hinweissymbol in einer U-Bahn: Reize im öffentlichen Raum können beeinflussen, wie aufmerksam Fahrgäste ihre Umgebung wahrnehmen
Ein zweites Team analysierte das Verhalten der Fahrgäste, als zusätzlich eine als Batman verkleidete Person den Waggon betrat. Der Unterschied war bemerkenswert. Alleine durch die Anwesenheit des “Dark Knights” stieg die Quote der angebotenen Sitzplätze auf stolze 67 %.
Bedingungen des Experiments
Das Experiment wurde durch zwei Forschungsteams gleichzeitig abgehalten. Ein Team mit und ein Team ohne Batman wurden in verschiedenen Bereichen am Bahnsteig positioniert. Beide Gruppen stiegen in dieselbe U-Bahn ein, jedoch weit genug voneinander entfernt, sodass sie sich nicht sehen konnten. So konnten Störfaktoren aufgrund von Zeit und Ort vermieden werden.
Das Team beobachtete das Verhalten der Fahrgäste bis zum nächsten Halt (ungefähr 2-4 Minuten). Gültig waren jedoch nur die Beobachtungen, in denen alle Sitzplätze im Waggon besetzt waren und sich nicht mehr als fünf Personen im Gang aufhielten. Damit sollte den Fahrgästen eine realistische Chance gegeben sein, sowohl die schwangere Frau als auch Batman zu bemerken, die ungefähr drei Meter auseinander stehen mussten.
Um die Fahrgäste nicht zu verängstigen, wurde das Experiment ohne Batman-Maske durchgeführt, sondern nur mit dem Kostüm.

©Wikimedia | Eine als Batman verkleidete Person in der U-Bahn: Der unerwartete Anblick sollte zeigen, ob Fahrgäste dadurch aufmerksamer auf ihre Umgebung reagieren
Nachdem ein Platz angeboten worden war, führten die Teams kurze Interviews durch. Es wurde dokumentiert, warum der Sitzplatz aufgegeben wurde (z. B. aus sozialer Norm) und, bei der zweiten Gruppe, ob Batman bemerkt worden war.
Der unsichtbare Batman
Womit die Forschenden jedoch nicht gerechnet hatten, war, dass Batman von den Personen, die ihren Platz geräumt haben, kaum wahrgenommen wurde. 14 von ihnen (43,75%) gaben sogar an, ihn überhaupt nicht gesehen zu haben.
Die Studie schloss daraus, dass das veränderte Verhalten gar nicht auf Batman basierte. Vielmehr werden wir von unserer direkten Umgebung beeinflusst. Zum Beispiel, wenn Leute in der U-Bahn von ihrem Handy aufschauen und Batman bemerken.
Mehr Achtsamkeit durch den Batman-Effekt
Dieser sogenannte Batman-Effekt unterstützt die Annahme, dass plötzliche Unterbrechungen unserer alltäglichen Routine unser Bewusstsein schärfen. Wir nehmen unsere eigene Umgebung stärker wahr und bemerken eher die Bedürfnisse unserer Mitmenschen. Das Ausbrechen aus der Trance des U-Bahn-Pendelns steigert somit unsere unbewusste und bewusste Achtsamkeit und lässt uns soziale Signale und Notlagen besser wahrnehmen.
Es braucht also keine exzentrischen Milliardäre im Fledermaus-Look in allen Öffis, damit wir in unserem Alltag mehr aufeinander achten. Es reicht schon ein kurzer aufmerksamer Blick weg vom Handy.
Titelbild: ©pexel bearbeitet
