Mit The Rip liefert Netflix einen neuen Crime- und Actionthriller ab, prominent besetzt mit Ben Affleck und Matt Damon in den Hauptrollen. Regie und Drehbuch stammen von Joe Carnahan. Auf dem Papier klingt das zunächst nach solider, vielleicht etwas routinierter Streaming-Ware. Doch der Film hebt sich zumindest in einem entscheidenden Punkt vom üblichen 08/15-Police-Thriller ab: durch seine dichte Atmosphäre und ein erstaunlich clever erzähltes Zentrum.
The Rip: Atmosphäre statt Dauerfeuer
The Rip ist weniger ein reiner Actionfilm als vielmehr ein Who’s-Done-It im Gewand eines Cop-Thrillers. Das Katz-und-Maus-Spiel, das sich durch die Handlung zieht, ist dabei erstaunlich gut gelungen. Der Film nimmt sich Zeit (am Anfang und am Ende leider viel zu lange!), Spannung aufzubauen, Figuren zu verschieben und Erwartungen bewusst zu unterlaufen. Gerade dadurch entsteht eine dichte, fast paranoide Stimmung, die den Zuschauer vor allem im Mittelteil des Netflix-Films verunsichert.
Netflix-Film mit der größten Stärke im Mittelteil
Das Herzstück des Films liegt klar in seiner mittleren Stunde. Hier schlägt die Story Haken – und zwar „wie ein Hase auf Dope“. Es gibt dabei mehrere unerwartete Wendungen, Perspektivwechsel und narrative Brüche, die wirklich erstaunlich gut funktionieren – wir sprechen hier schließlich von einem Netflix-Film. Immer wieder stellt sich neu die Frage: Wer ist hier eigentlich der Good Guy, wer der Bad Guy? Diese Zuordnungen ändern sich gefühlt alle fünf Minuten und genau das macht den Reiz dieses Filmes aus.
Als Zuschauer*in ist man konstant beschäftigt, mitgerissen, teilweise bewusst verwirrt. Das Who’s-Done-It-Prinzip wird dabei konsequent ausgespielt, und das ist in dieser Konsequenz innerhalb eines klassischen Netflix-Thrillers eher selten.
The Rip oder die Längen an den Rändern
Ganz ohne Einschränkungen kommt der Film allerdings nicht davon. Mit rund zwei Stunden Laufzeit hätte The Rip spürbar gestrafft werden können. Die ersten etwa 15 Minuten wirken verzichtbar, ebenso die letzten 20. Gerade im Vergleich zur extrem starken Mitte fällt auf, dass Anfang und Ende erzählerisch weniger präzise sind und etwas Leerlauf erzeugen.
Filmisch bleibt The Rip eher im Durchschnitt. Es gibt durchaus ein paar interessante Kamerafahrten und Einstellungen, aber visuell oder formal reißt der Film keine Bäume aus. Die große Qualität liegt aber eindeutig nicht im cineastischen Innovationswillen, sondern vor allem im Drehbuch. Genauer gesagt: in dessen Struktur und Wendungsreichtum im Zentrum der Geschichte. Das ist wirklich sehr gut gemacht. Und damit meine ich nicht gut für Netflix-Verhältnisse, sondern wirklich ganz allgemein ist das eine exzellente Arbeit.
The Rip mit Ben Affleck und Matt Damon
Ist The Rip ein genialer Film? Nein. Aber er ist deutlich besser, als man es von vielen aktuellen Netflix-Produktionen erwarten würde. Vor allem das zentrale Story-Segment mit seinen permanenten Handlungsumbrüchen, falschen Fährten und moralischen Verschiebungen macht den Film wirklich extrem sehenswert.
Wer Lust auf einen atmosphärisch dichten Cop-Thriller hat, der mehr ist als reine Action und zumindest zeitweise wirklich clever erzählt ist, kann sich The Rip getrost ansehen. Kein Meisterwerk, aber ein überraschend starker Thriller, wenn man bereit ist, sich auf sein erzählerisches Zentrum einzulassen.
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Titelbild © 2025 Netflix, Inc.
